Fertigungsfehler beim Eurofighter: Vorerst halbe Lebensdauer, aktuelle Einsätze nicht betroffen

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Der Eurofighter, das modernste Flugzeug der Bundeswehr, darf wegen eines Fertigungsfehlers in der Industrie vorerst nur die Hälfte der garantierten Flugstunden in die Luft. Das Herstellerunternehmen habe bei einer Qualitätskontrolle einen Herstellungsfehler an einer großen Anzahl von Bohrungen am Rumpfhinterteil des Luftfahrzeuges Eurofighter festgestellt, teilte die Bundeswehr am (heutigen) Dienstagabend auf ihrer Webseite mit. Der Flugbetrieb der deutschen Luftwaffe sei davon nicht betroffen, sowohl die Einsätze zur Luftraumüberwachung in Deutschland und im Baltikum als auch die Übungsflüge könnten wie gewohnt starten. Vorerst will die Bundeswehr aber keine neuen Eurofighter abnehmen.

Nach den Bundeswehr-Angaben wurden vom Hersteller als Sofortmaßnahme die zugelassenen Flugstunden über die ganze Lebensdauer für einen Eurofighter von bislang 3.000 auf 1.500 Stunden reduziert. Allerdings ist die Bundeswehr auch von dem neuen Wert noch eine Weile entfernt; die ältesten Kampfjets dieses Typs bei der Luftwaffe haben bislang etwas über 1.000 Flugstunden. Der erste an die Bundeswehr übergebene einsitzige Eurofighter (zweisitzig sind die Trainerversionen) erreichte seit seinem Erstflug im Februar 2005 im März dieses Jahres die 1.000-Stunden-Marke.

Die Mitteilung der Bundeswehr im Wortlaut:

Eurofighter: Flugbetrieb der Luftwaffe aktuell nicht von industrieller Flugstundenreduzierung betroffen
Berlin, 30.09.2014.
Die Industrie hat im Rahmen einer Qualitätskontrolle einen Herstellungsfehler an einer großen Anzahl von Bohrungen am Rumpfhinterteil des Luftfahrzeuges Eurofighter festgestellt. Ursächlich hierfür sind unzureichende Entgratungen durch den Hersteller BAE Systems.
Da die Auswirkungen dieser Problematik auf die Lebensdauer der Zelle noch nicht absehbar sind, wurde die Halbierung der Flugstundenfreigabe durch die Industrie als zusätzlicher Sicherheitsfaktor eingeführt. In der Folge wurde durch die Industrie als Sofortmaßnahme der bisher freigegebene Lebensdauerwert von 3.000 Flugstunden auf 1.500 Flugstunden halbiert.
Der beschriebene Fertigungsmangel hat nach Aussage der Industrie keine Auswirkungen auf die aktuelle Flugsicherheit und die Einsatzfähigkeit des Waffensystems Eurofighter. Der Ausbildungs- und Einsatzflugbetrieb ist sichergestellt.
Zur Vermeidung von Nachteilen und zur Wahrung von Ansprüchen seitens des Bundesministeriums der Verteidigung infolge dieser Minderleistung wurde bis zur Klärung der kommerziellen Aspekte die Abnahme von weiteren Luftfahrzeugen ausgesetzt.

(Foto: Eurofighter im September 2014 beim Baltic Air Policing auf der Luftwaffenbasis Ämari in Estland)

— Aus technischen Gründen crosspost von augengeradeaus.net, 30.09.2014 —

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5 Antworten zu “Fertigungsfehler beim Eurofighter: Vorerst halbe Lebensdauer, aktuelle Einsätze nicht betroffen

  1. „Antreten zum Abwracken – Bundeswehr kaputtgespart?“
    phoenix Runde – Di. 30.09.14, 22.15 – 23.00 Uhr

    Wie einsatzbereit ist die Bundeswehr? Wurde sie kaputtgespart oder wurde ihr Etat falsch eingesetzt? Wie konnte es so weit kommen?

    Ines Arland diskutiert in der phoenix-Runde u.a. mit:
    – Hellmut Königshaus (Wehrbeauftragter Deutscher Bundestag)
    – Thomas Wiegold (Blogger Augen geradeaus)
    – Tobias Lindner (MdB, Bündnis ’90/Die Grünen)
    – Rainer Arnold (verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion)

    http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/diskussionen/877055#

  2. Keine neuen Eurofighter abzunehmen, obwohl wir die Nato-Verpflichtung von 60 Maschinen nicht erfüllen und innerhalb von von 6 Monaten nicht erfüllen können, spricht dafür, daß wir jede Maschine nehmen sollten, die wir mehr kriegen könnten. Minderung des Kaufpreises oder Nachbesserung der Maschinen zu verlangen wäre ausreichend.
    Wichtiger ist doch die Konsequenz, daß wir ein neues Kampfflugzeug brauchen, wenn der Fehler nicht behoben werden kann, weil wenn der Fehler nicht nachgebessert werden kann, dann werden wir in 10 – 20 Jahren kaum noch flugfähige EF haben, weil die 1.500 Flugstunden erreicht sind. Und da es mindestens 10 Jahre dauert ein neues Kampfflugzeug zu entwickeln müssten wir dies dann in jetzt in Auftrag geben, um unsere Luftverteidigungsfähigkeit nicht zu verlieren.

  3. Tja, der Damm scheint ja mal so richtig gebrochen zu sein. Der See leert sich und gibt den Blick frei auf all die kleinen und großen Sünden, die das Wasser bislang verdeckt hat. Das BMVg dürfte momentan der beste Kunde für Kopfschmerztabletten sein … :\

  4. Hier gibt es eine schöne Zusammenfassung der „Krise“, ihrer Ursachen und Wendungen: http://defense-and-freedom.blogspot.de/2014/09/zur-derzeitigen-krise-im-bmvg.html .

  5. Ich bezweifle, dass wirklich Lebensdauer gemeint war. Schon 3000 wäre skandalös wenig. Die Lebensdauer eines solchen Flugzeuges sollte im Bereich von 6000-9000 Flugstunden sein.

    Ich vermute, dass es sich um die Zahl Flugstunden bis zum D-Check/Generalüberholung handelt.
    Alternativ könnte „bisher freigegebene“ darauf hindeuten, dass die tatsächliche Lebensdauer völlig unbekannt ist und erst experimentell (also in der Nutzung) überhaupt bestimmt werden kann. Dies entspräche dem geradezu erbärmlichen Stand der Simulation der Haltbarkeit bzw. Ermüdung von Kohlefaser-Laminaten (offengelegt vom „World Wide Failure Experiment“ Forschungsreihe).